Ciarm del Prete
Eindrückliche und panoramareiche Gipfeltour über dem Vallone dei Tornetti, ein abgeschiedenes und weitläufiges Seitental des Valle di Viù.
Am Ausgangspunkt oberhalb der verstreuten Häuser und Hütten der Alpe Bianca (1420 m) blickt man zunächst ein wenig ungläubig auf eine riesige Bauruine, die völlig deplatziert mitten in der schönen Landschaft steht, Ergebnis einer Spekulationspleite beim Bau eines kleinen Skigebietes in den 1970er/1980er Jahren, was in der Folge nie fertiggestellt wurde. Die Einheimischen nennen diesen hässlich Betonklotz "Il Mostro" (das Monster), eine wahrlich zutreffende Bezeichnung. Um so schöner, dass bereits nach wenigen Schritten nichts mehr von diesem Schandfleck zu sehen ist.
Vom Parkplatz am Ende der Asphaltstrasse geht man auf einem Pfad über die Weiden rechts an der Bauruine vorbei, nach wenigen Minuten mündet der Pfad in eine unbefestigte und für den öffentlichen Verkehr gesperrte grasige Alpstrasse, der man nun in der nächsten Dreiviertelstunde folgt. Bei einem Wegweiser verlässt man den breiten Fahrweg und geht links Richtung Westen, der deutliche und gut markierte Pfad steigt anfangs nur leicht an, dann überwindet man eine steilere Geländestufe und erreicht eine kleine Hochfläche, rechter Hand ein namenloser kleiner See. Weiter durch ein karges und nahezu baumloses Hochtal hinauf zum Lago Vailet (2065 m, Wegweiser), der in den Sommermonaten nach längeren Trockenperioden gelegentlich austrocknet. Der beschauliche See lädt zu einer kleinen Rast ein, von hier geniesst man eine weite Aussicht über das liebliche Vallone dei Tornetti und das untere Valle di Viù. Vom See steigt man in Kürze zum nahen Colle Vailet (2113 m), ein kaum begangener Übergang zwischen dem Vallone dei Tornetti und dem westlich gelegenen Vallone d‘Ovarda. Vom Colle Vailet geht es nun in weiteren 45 Minuten über den Südgrat des bereits weithin sichtbaren Gipfels auf steiler werdendem Pfad stramm bergauf. Auf den letzten Metern führt der Pfad durch steiniges, aber unschwieriges Gelände. Schliesslich erreicht man den grossen Steinmann auf dem weitläufigen Gipfelplateau des Ciarm del Prete (2389 m). Das Panorama ist umfassend und spektakulär, im Süden grüsst der Monviso (3841 m), im Westen die Berge des Valle di Viù, die dominierendsten sind die charakteristische Pyramide des Rocciamelone (3538 m), der Monte Lera (3358 m) und die markante Felsgestalt des Torre d‘Ovarda (3069 m). Im Norden zeigt sich bei klarer Sicht die Gran Paradiso-Gruppe (4061 m) mit all seinen Trabanten, im Nordosten die Monte Rosa-Gruppe (4634 m), Richtung Osten blickt man bis in die piemontesische Tiefebene.
Der Abstieg vom Gipfel des Ciarm del Prete zum Lago di Viana führt zunächst entlang der sanft gewellten Nordflanke. Die Wegspur ist meist klar und deutlich, die zuvor nur mit Steinmännchen markierte Route wurde vor einigen Jahren rot-weiss markiert. Linker Hand blickt man auf einige der weit verstreuten Laghi d'Ovarda. Nach einer guten Viertelstunde erreicht man grasige Matten und folgt den rot-weissen Markierungen, die hier Richtung Osten abzweigen. Durch einen steinigen Kanal geht es nun kurz steil hinab zum Lago Panè (2284 m), der oft bis weit in den Mai hinein noch zugefroren ist. Von dem kleinen See steigt man in Kürze zum Colle del Lago di Viana ab (2218 m, im Gelände und in manchen Karten auch als Colle dei Tre Lajet bezeichnet), Wasserscheide zwischen dem Valle di Viù und dem nördlich gelegenen Val d‘Ala. Das Panorama von diesem weltabgeschiedenen Ort ist dementsprechend eindrücklich. Vom Pass sind es nur noch wenige Schritte bis zum Ufer des Lago di Viana (2201 m), ein malerischer Bergsee am Fuss des Ciarm del Prete. Hier lohnt es sich, ein wenig länger zu verweilen, um in aller Ruhe die beeindruckende Umgebung und die tolle Aussicht zu geniessen.
Vom Lago di Viana wandert man in etwa 40 Minuten zurück zum Lago Vailet (2065 m), bis dorthin gibt es zwei Möglichkeiten. Der eindeutige und gut markierte Weg führt zunächst zum Südufer des Sees und von dort hinab in ein karges Hochtal, alternativ folgt man vom Ausfluss des Sees den spärlichen rot-weissen Markierungen, die Wegspur ist jedoch nicht immer klar erkennbar, bei dem hier häufig vorkommenden dichten Nebel kann man hier leicht die Orientierung verlieren. Beide Varianten treffen sich etwa eine Viertelstunde später talabwärts bei einem Wegweiser. Der verbleibende gut eineinhalbstündige Abstieg vom Lago Vailet zurück zum Ausgangspunkt ist identisch mit dem Aufstiegsweg.
- Mitte Mai bis Oktober, empfehlenswert sind der Frühsommer und der Herbst, speziell in dieser Gegend bildet sich im Hochsommer ab den Mittagsstunden recht häufig dichter Nebel, bedingt durch die aufsteigende Feuchtigkeit aus der nahen, im Sommer meist schwül-heissen Tiefebene.
- T2
T3 auf wenigen kurzen Abschnitten beim Abstieg zum Lago di Viana - 6,5 Std.
- Höhenunterschied: 980 m
- Ausgangs- und Endpunkt: Parkplatz am Strassenende bei der Alpe Bianca (1420 m) im Vallone dei Tornetti, Zufahrt von Viù über Polpresa und Tornetti über eine schmale und kurvenreiche Bergstrasse (10 km).
Alpe Bianca - Lago Vailet - Passo Vailet - Ciarm del Prete - Lago Panè - Lago di Viana - Alpe Bianca (23.05.2021)
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