Balme - Val Servin/Vallone del Paschiet - Bivacco Gandolfo e Giuliano - Vallone d‘Ovarda
Zweitägige Streckenwanderung vom Val d‘Ala ins Valle di Viù.
Balme, der Ausgangspunkt der Wanderung, ist ein sehenswertes Bergdorf mit viel Geschichte. Früher nannte man es das Dorf der Bergsteiger, im Jahre 1880 lebten hier etwa 100 Bergführer. Vor über 100 Jahren machten in Balme und in anderen Orten in den Valli di Lanzo die reiche Elite und der Turiner Adel Urlaub, man sieht im Ortsbild immer wieder mondäne Villen und alte Hotels aus dieser Epoche. Mit dem Beginn des zweiten Weltkriegs brach diese frühe Form des Berg-Tourismus zusammen und hat sich danach nicht wieder erholt. Balme ist heute ein ruhiges Dorf, in den Wintermonaten leben hier nur noch etwa 50 Menschen, viele der historischen Häuser und Villen sind nur noch an den Wochenenden oder in den Ferien im August bewohnt.
Die Wanderung beginnt in Cornetti, ein Ortsteil von Balme mit vielen hübschen und verwinkelten Gassen. Hinter den letzten Häuser verschwindet der Weg im schattigen Wald und man erreicht wenig später den kleinen Weiler I Frè (1505 m). Hier kann man nicht einfach weitergehen, ohne zuvor bei Polly vorbeizuschauen. Die liebenswerte Bäuerin lebt hier in den Sommermonaten mit ihren Kühen, Ziegen, Hühnern, Moschusenten sowie zahlreichen Katzen und Hunden, die einen schon von weitem mit ihrem Gebelle begrüssen. In einem der historischen Steinhäuser hat Polly ein kleines privates Museum eingerichtet, eine sehenswerte Sammlung von Alltagsgegenständen, Möbeln und Werkzeugen, die einen interessanten Einblick in die Lebensweise der einstigen Bergbewohner vermitteln.
Unterhalb der Häuser von I Frè überquert man auf einer Holzbrücke den Rio Paschiet. Der gesamte Aufstieg bis zum Passo Paschiet führt durch das abgeschiedene und stille Vallone del Paschiet, zunächst über offenes Weideland mit vielen verstreuten Lärchen. Die Einheimischen nennen das Tal auch Val Servin. Nach der Alpe Pian Salè (1588 m) verschwindet der Weg eine Weile im Wald und windet sich hinauf zur Alpe Garavela, ein einzeln stehender Stall am Waldrand mit einem Brunnen (1726 m, die Höhenangabe vor Ort ist falsch). Nach wenigen Schritten verlässt man den Wald und erreicht ein weiteres Alpgebäude (1744 m), das ebenfalls zur Alpe Garavela gehört. Jenseits der Alp wandert man durch nun offenes Gelände auf der orografisch rechten Seite des Rio Paschiet das in diesem Abschnitt enge und schluchtartige Tal hinauf. Eine halbe Stunde knickt der Weg nach Osten ab, vor einem erstreckt sich eine weite Hochfläche mit grasigen Matten, 20 Minuten später kommt man an den verfallenen Hütten der Alpe Pian Buet (2006 m) vorbei. Ein malerisches Fleckchen, mit tollem Panorama auf die Berge des oberen Val d‘Ala, die gewaltige Ostwand der Bessanese (3604 m) und die Uja di Ciamarella (3676 m) sind hier die markantesten Erhebungen. Durch Erlengebüsch und im Frühsommer blühende Alpenrosen geht es weiter bergwärts, nach weiteren 20 Minuten erreicht man schliesslich den unteren der beiden türkisgrünen Laghi Verdi (2142 m), der sich inmitten eines kargen und von riesigen Felsbrocken übersäten Hochtals befindet. Hier lohnt es sich, ein wenig zu verweilen und die landschaftlich beeindruckende Umgebung zu geniessen. Wenige Minuten später kommt man zu dem oberen der beiden Seen (2168 m), wahrlich eine Perle der Natur, eingebettet von mächtigen Felswänden. Ein wenig oberhalb der beiden Gewässer befindet sich bereits das Ziel dieser recht kurzen Etappe, das kleine, aber wunderschön gelegene Bivacco Gandolfo e Giuliano (2220 m), eine immer frei zugängliche Selbstversorgerhütte.
Am nächsten Morgen geht es zunächst weiter talaufwärts, man überquert eine riesige karge Steinwüste, nach etwa einer Stunde auf steinigem Pfad erreicht man den Passo Paschiet (2431 m), wo man ein grossartiges Panorama auf die Berge beider Täler geniesst. Auf der anderen Seite, bereits im Valle di Viù, verliert der Weg rasch an Höhe, nach einem einstündigen Abstieg kommt man zur im Sommer bewirtschafteten Alpe d‘Ovarda (1886 m). Jenseits der steinigen Passregion ändert sich nun schlagartig das Landschaftsbild, man wandert nun durch ein vergleichsweise sanft gewelltes und liebliches Hochtal. Der verbleibende Abstieg ist gemütliches Genusswandern, abschnittsweise auf einem unbefestigten und für den öffentlichen Verkehr gesperrten grasigen Fahrweg. Kurz vor der Alpe Milone verlässt man den Fahrweg und geht rechts, anfangs auf einem breiten Karrenweg, ein wenig unterhalb bei den von hier bereits sichtbaren Baite Frontera beginnt ein wunderschöner und gut markierter Pfad, der auf dem alten Saumweg durch das Vallone d'Ovarda verläuft. Durch weitläufigen Alpgebiete geht es weiter abwärts, der markierte Pfad endet an der sehenswerten Cappella di San Bartolemeo (1377 m). Weiter auf dem unbefestigten Fahrweg, bei dem Dorf Chiandusseglio erreicht man den Talboden des Valle di Viù. Die Rückkehr zum Ausgangspunkt erfolgt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
In den beiden Fotogalerien findet ihr neben der beschriebenen Tour (im unteren Album) auch zahlreiche Bilder von dem sehenswerten Dorf Balme sowie den Ortsteilen Cornetti und I Frè.
- 2 Tage
- max. 4 Personen
- Ende Juni bis Mitte Oktober
- T2, abschnittsweise T1 beim Abstieg im Vallone d‘Ovarda
- Übernachtung:
Bivacco Gandolfo e Giuliano (2230 m), 8 Schlafplätze, keine Koch- und Heizmöglichkeit, Kocher stelle ich zur Verfügung,
Matratzen und Decken sind vorhanden, ich empfehle dennoch die Mitnahme eines leichten Schlafsacks. - Höhenunterschiede und Gehzeiten:
Etappe 1: 800 m im Aufstieg, 3,5 Std.
Etappe 2: 210 m im Aufstieg und 1475 m im Abstieg, 6 Std. - Ausgangspunkt:
Balme (1432 m) im oberen Val d‘Ala - Endpunkt:
Chiandusseglio (967 m, Frazione di Lemie) im Valle di Viù. Rückkehr zum Ausgangspunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Balme - Cornetti - I Frè (30./31.08.2017)
Balme - Valle Servin - Laghi Verdi - Bivacco Gandolfo - Passo Paschiet - Vallone d'Ovarda - Chiandusseglio (01./02.09.2017)
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